Internationale Kommission fur die Hydrologie des Rheingebietes - logo

Secretariat: PO Box 2232 | 3500 GE Utrecht | The Netherlands | T +31 887 985 233 | info@chr-khr.org

Sie sind hier

Gletscherschwund: Neue Studie zum Schmelzwasser im Rhein

November 5, 2018

Gerade in längeren Trockenperioden wie 2018 steigt die Bedeutung des Schmelzwassers aus Gletschergebieten. Die länderübergreifende Kommission für die Hydrologie des Rheingebiets (KHR) untersucht nun in einer neuen Studie, wie sich die Anteile der Gletscher- und Schnee­schmelzabflüsse im Rheingebiet entwickeln. Diese sind in Niedrigwasserzeiten besonders hoch.

Die langanhaltende Trockenheit dieses Sommers in der Schweiz, in Deutschland und den Nieder­landen ließ die Wasserstände der Flüsse deutlich sinken. So ist zum Beispiel der Abfluss des Rheins bei der Messstation Basel-Rheinhalle deutlich unter­durchschnittlich: Zurzeit fließt weniger als halb so viel Wasser an Basel vorbei als im langjähri­gen Oktober-Durchschnitt. In Deutschland und den Nieder­landen fällt ein Vergleich mit dem langjährigen Monatsmittel noch ungünstiger aus: die Abflüsse erreichen hier nur etwa 40 Pro­zent.

Mündung der Nahe bei extremem Niedrigwasser des  Rheins bei Bingen im Oktober 2018,  im Hintergrund Mäuseturm und Burg Ehrenfels (Bild: Dr. K. Wendling/MUEEF-RLP)

Angesichts der aktuellen Niedrig­wasserstände rückt die Bedeu­tung der Alpengletscher für die hydrologische Situation des Rheingebiets verstärkt in den Fokus. Denn gerade bei extremem Niedrigwasser trägt die Gletscherschmelze nicht unwesentlich zum Wasser­stand des Rheins bei. Die KHR hat deshalb ein schweizerisch-deutsches Forschungskonsortium damit beauftragt, die Anteile der Schnee- und Gletscherschmelze an den Abflüssen im Rhein und seinen alpinen Zuflüssen zu untersuchen. Dies ist ein Folgeprojekt zu der im Jahr 2016 veröffentlichten KHR-Studie, die bereits die Anteile der Abflusskomponenten auf Tages- und Monatsbasis für den Zeitraum von 1901 bis 2006 beleuchtete.

Hoher Anteil an Schmelzwasser bei Trockenheit

Dabei wurde beispielsweise im Hitzesommer 2003 am für die Schifffahrt wichtigen Pegel Kaub ein maximaler Anteil von 20 Prozent Gletscherschmelzwasser am Abfluss festgestellt. Ohne diesen Schmelzwasseranteil wäre der Wasserstand in der engen Fahrrinne des Mittelrheintals um 28 Zenti­meter niedriger ausgefallen. Im deutsch-niederländischen Grenzbereich am Pegel Lobith betrug der maximale Schmelzwasseranteil am 28. August 2003 immerhin noch 17 Prozent. Diese Zahlen­angaben beruhen auf der im Projekt eingesetzten und teilweise neu entwickelten hydrologischen Modellkette für das internationale Einzugsgebiet des Rheins. Werte für die aktuelle Situation liegen nicht vor; im Jahr 2018 dürfte der Schmelzwasseranteil aufgrund des Gletscherrückgangs aber geschätzt etwas geringer ausfallen. 

Detailliertere Aussagen über zukünftige Entwicklung

Aus datentechnischen Gründen wurden in der ersten Projektphase zunächst nur die historischen Niedrigwasserereignisse bis 2006 analysiert. In der zweiten Phase (2018-2021) werden nun auch die Ereignisse, die bis in den aktuellen Zeitraum reichen, betrachtet. In der neuen Projektphase kommen aktuelle Klimaprojektionen und entsprechende hydrologische Modelle zum Einsatz. Das soll detailliertere Aussagen über zukünftige Entwicklungen der Gletscher sowie über Gletscher- und Schneeschmelzabflüsse im Rheingebiet unter Einbeziehung des globalen Klimawandels ermöglichen.

Auswirkungen des Gletscherrückzugs

Wegen der langanhaltenden und überdurchschnittlichen Wärme in diesem Sommer und Herbst haben die Gletscher in der Schweiz allein 2018 rund 1‘400 Millionen Kubikmeter Eis verloren: ein Rückgang um 2,5 Prozent. Ohne die riesigen Winter-Schneemengen wäre die Eisschmelze noch dramatischer ausgefallen. Nach mehreren Extremjahren haben die Gletscher seit 2008 sogar ein Fünftel ihres Volumens eingebüßt, wie die Eidgenössische Kryosphärenkommission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) Mitte Oktober berichtete. Die neue KHR-Studie soll auch aufzeigen, wie sich der Rückzug der Gletscher auf den Abfluss des Rheins in der Schweiz, in Deutschland aber auch bis in die Niederlande auswirkt.

Auskunft:

Petra Schmocker-Fackel, Bundesamt für Umwelt BAFU (Bern, Schweiz; Projektleitung), petra.schmocker-fackel@bafu.admin.ch; Tel  +41 58 46 476 66

Peter Krahe, Bundesanstalt für Gewässerkunde BfG (Koblenz, Deutschland) , Referat M2 – Wasserhaushalt, Vorhersagen und Prognosen: krahe@bafg.de; Tel +49 261 1306 5234

Jörg Uwe Belz, Bundesanstalt für Gewässerkunde BfG (Koblenz, Deutschland) , Referat M1 – Hydrometrie und gewässerkundliche Begutachtung: Belz@bafg.de; Tel +49 261 1306 5428

Eric Sprokkereef, Sekretariat Internationale Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes KHR (Lelystad, Niederlande): eric.sprokkereef@rws.nl; Tel + 31 88 7985 233

Links:

Synthesebericht der ersten Projektphase:

English: https://chr-khr.org/en/file/1057/download?token=Zg6SY04i

Deutsch: https://chr-khr.org/de/file/1058/download?token=syGnLweH